Grenzen

Grenzen markieren Gebiet und Souveränität eines Staates. Sie werden von Menschen gemacht und ausgehandelt. Wie stark sie kontrolliert werden und wer sie passieren darf, bestimmen politische und wirtschaftliche Interessen ebenso wie nationale Vorstellungen.

Für Menschen auf der Flucht gibt es kaum legale Wege nach Europa. Sie setzen sich großen Gefahren aus bei dem Versuch, Grenzen zu überwinden. Elend und Tod auf den Fluchtrouten lassen Forderungen nach sicheren Fluchtwegen immer lauter werden. Die politische Praxis jedoch ist eine andere. Abschottung und Abwehr stehen im Zentrum der europäischen und deutschen Grenz- und Flüchtlingspolitik.

Wo verlaufen die Grenzen Europas und was geschieht dort? Verhindern sie, dass Menschen ihr individuelles Recht auf Asyl in Anspruch nehmen können? Wie verhält sich die aktuelle Grenzpolitik zu den europäischen Werten und den Menschenrechten?

Aus den Augen, aus dem Sinn?

Als 2015 und 2016 die Zahl von schutzsuchenden Menschen in Deutschland im Verhältnis zu den Vorjahren sprunghaft ansteigt, rückt das Thema Flucht in den Fokus der medialen Aufmerksamkeit. In Politik und Gesellschaft wird kontrovers über die Aufnahme der Geflüchteten diskutiert. Selten allerdings wird erwähnt, dass nur ein sehr kleiner Prozentsatz der Geflüchteten weltweit nach Deutschland kommt. Mit sinkenden Zahlen schwindet in Deutschland das öffentliche Interesse.

Sinkende Zahlen? Weltweit sind immer mehr Menschen auf der Flucht. Warum kommen immer weniger in Deutschland und Europa an?

Hinschauen

Der Blick auf aktuelle Fluchtbewegungen weltweit zeigt, dass immer noch viel zu wenig unternommen wird, um Fluchtursachen zu bekämpfen. Ein Blick auf die Politik und die Außengrenzen Europas verdeutlicht, wie die europäischen Staaten darauf reagieren. Wie verhält sich die aktuelle Grenzpolitik zu den europäischen Werten und den Menschenrechten?

Das Grenzregime der Europäischen Union

Auf dieser Karte sind zehn Orte markiert, an denen die Grenzpolitik der Europäische Union und ihrer Mitgliedstaaten schlaglichtartig beleuchtet werden. Klicke sie an für mehr Informationen.

Papiere bitte!

Wer eine Grenze legal passieren will, benötigt einen Pass. Aber nicht jeder Pass ermöglicht das gleiche Maß an Mobilität und damit an Lebenschancen. Denn der Pass ist nicht allein ein Identitätsnachweis. Er steht auch für die Stabilität, Sicherheit und den Wohlstand eines Landes. Es gibt 194 Länder auf der Welt. Während mit dem deutschen Pass 139 Länder visafrei oder mit einem „visa on arrival“ bereist werden können, sind es mit dem afghanischen Pass lediglich 31 Länder.

Hier kannst du sehen, welcher „Wert“ den Pässen dieser Welt zugeschrieben wird:
https://www.passportindex.org

„Papiere bitte!“

In den Städten meiner Heimat Syrien hört man das inzwischen alle 500 Meter – im gleichen Tonfall, an jedem Checkpoint, aber natürlich ohne ein „Bitte“. Dort habe ich in den letzten Jahren gelernt: Papiere sind wichtiger als Menschen. Das ist in Deutschland auch nicht anders. Die Deutschen lieben Papier. Hast Du kein Papier, dann bist du gar nicht hier!

aus: Firas Alshater, Ich komm auf Deutschland zu.
Ein Syrer über seine neue Heimat, 2016

Wenn du deinen Pass mit einem schutzsuchenden Menschen teilen könntest, um ihm die Einreise nach Europa zu ermöglichen, würdest Du es tun?

Geteilte Identitäten heute…

Das aktivistische Kunstkollektiv PENG! hat 2018 einen Pass geschaffen, den – zumindest theoretisch – zwei Menschen benutzen können: Die biometrischen Passbilder wurden so miteinander verschmolzen, dass bei einer digitalen Gesichtserkennung beide Personen identifiziert werden. Die Aktion zielte eigentlich gegen Biometrie und staatliche Überwachung. In einem zweiten Schritt rief PENG! aber auch dazu auf, Passbilder zur Verfügung zu stellen, um Menschen auf der Flucht bei der Einreise nach Europa zu helfen.

Mehr zur Aktion von PENG findest du hier

… und in der Vergangenheit

Fluchthilfe und Passfälschungen hat es auch früher gegeben, zum Beispiel um Menschen aus der DDR die Flucht in die Bundesrepublik Deutschland zu ermöglichen. Eine Methode war, echte Pässe mit Fotos zu nutzen, die den Fluchtwilligen ähnlich sahen. Dafür stellten Menschen aus Westdeutschland oder dem westlichen Ausland ihre Pässe zur Verfügung. Manchmal wurden auch passende Fotos eingesetzt oder Pässe komplett gefälscht.

Mehr zur Fluchthilfe aus der DDR findest du in der Online-Ausstellung „Risiko Freiheit“

Ist es skandalös oder legitim,den eigenen Pass zu teilen?

Was denkst du: Ist es skandalös oder legitim, den eigenen Pass zu teilen?